Montag, 20. August 2007

Kreativität

Ich mag ungern meckern. Gut, das ist gelogen, ich mecker gern, aber ich zeige nicht gern mit dem Finger auf andere. Vor ein paar Tagen begnete mir allerdings etwas im Internet was mich schon arg geärgert hat. Allerdings habe ich das nicht zum Anlass für einen Blogeintrag genommen, da ich dann doch irgendwo zu sehr gemeckert hätte. Heute allerdings wurde ich von einer guten Bekannten mit den Worten „Das ist mal tolles virales Marketing“ wieder auf die Kampagne aufmerksam gemacht und muss nun einfach einmal etwas dazu sagen.

Worum geht es eigentlich? Es geht um den Inhalt vielmehr das Video auf www.verdammt-ich-hab-nix.de. Bevor ich etwas zum eigentlichen Kernpunkt sage erstmal ein paar Worte zur Seite selbst. Was ist daran denn toll? Die Seite ist einfach nur lieblos zusammengeschustert, nein schustern ist ein sehr guter Handwerksberuf sagen wir besser gebastelt, also die Seite ist einfach nur lieblos zusammengebastelt. Auch wenn sie ja gerade billig wirken sollte, kann man auch das mit Sinn für Gestaltung bzw. Nicht-Gestaltung tun und mehr als fünf Minuten investieren.

Nun zum genialen viralen Marketing. Mathias Reim singt wieder. Ja genau der abgebrannte Schlagersänger singt wieder. Einen seiner richtig großen Hits: Verdammt ich lieb dich. Mitsummen kann ihn jeder sofort. Auch wenn mans nicht mag ist das halt eins von diesen Liedern bei denen man unfreiwillig mitsummt. Also wir haben ein insolventes Schlager-One-Hit-Wonder und virales Marketing. Wofür fragt man sich da? Ganz einfach. Für einen Mietwagen-Verleih. Ja genau, wenn man insolvent ist hat man kein eigenes Auto mehr und leiht sich ein super günstiges Cabrio. Sonst ginge das ja auch gar nicht.

An dieser Stelle muss ich ja zugeben das ich es bis hierhin recht gut finde, auch wenn mich günstiger als Werbebotschaft und viel schlimmer als Markenwert nicht begeistern kann.

Was macht das Ganze denn jetzt so schlimm mag man sich fragen, die Antwort darauf fällt mir recht leicht: Es ist alles nur geklaut. Vergleicht man das Video des Herrn Reim mit diesem netten Fundstück aus dem Internet (hat sich letztes Jahr wirklich viral verbreitet und noch dazu sehr gut!) muss man schon sehr naiv sein um an Gevatter Zufall zu glauben oder?



Welche kreative! Leistung hat man nun in einer von Deutschlands größten Werbeagenturen vollbracht? Man hat sich die Optik und Idee eines vorhandenen Musikvideos. Man ersetzt den abgebrannten amerikanischen Sänger durch einen deutschen. Schreibt einen neuen Text auf ein vorhandenes Lied das jeder kennt. Bastelt eine billige Internetseite dazu und streicht einen bestimmt fünf bis sechsstelligen Etat ein? Also das verdient Applaus! Herzlichen Glückwunsch nach Hamburg.

Ich will eigentlich niemandem zu nahe treten aber das ist doch nun wirklich eine Transferleistung die man im ersten Semester bringen muss, oder? Da wundert es mich nicht das Deutschland bei internationalen Wettbewerben immer noch nicht sonderlich gut dasteht.

Mal ganz davon abgesehen das ich die „Leistung“ der Jungs und Mädels bei JvM nicht schmälern will, wie kann ich so dreist sein und sagen das es keineswegs Gutes virales Marketing ist? Ganz einfach, wenn es gutes virales Marketing gewesen ist, frage ich mich wieso ich als abhängiger Internetnutzer mit einem großen Freundeskreis, das erste Mal beim werbeblogger gelesen habe und das zweite Mal von einer Bekannten geschickt bekommen habe, die auch im Bereich Werbung/Design/Fotografie aktiv ist? Hätte ich es dann nicht genauso wie z.B. den David Hasselhoff Clip über Werbebranchenfremde erfahren müssen?

Wird die Qualität von gutem viralem Marketing nun an unserer Zufriedenheit als Gestalter gemessen oder am Erfolg bei der Zielgruppe? Ich finde das zumindest sehr komisch die Sache so zu beurteilen.

Jetzt zum Schluss meines kleinen Aufsatzes noch ein paar wenige Worte zu JvM: Wollt ihr immer noch nicht verstehen das Geiz nicht geil ist? Also den Saturn Etat habt ihr schon verloren, wollt ihr nicht mal wieder euren Köpfe anstrengen und NEUE Markenwerte definieren? Vielleicht könnt ihr aber auch noch andere Kunden davon überzeugen das Geiz und billig die Werte sind mit denen ihre Marken stark werden. Wenn ich mir die letzte Sixt-Anzeige so anschaue steht JvM ja selbst scheinbar nur noch für eins: Billig ...

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mensch, da gibts Du Dir so große Mühe eine Gegenrede zur SIXT-Kampagne zu schreiben und treibst so den Erfolg der Kampagne auch noch an. Ich wäre wahrscheinlich niemals auf die SIXT-Seite gegangen, doch dank Deines Blogs bin ich jetzt auch informiert. Und das Rad des Viral-Marketings dreht sich weiter... Immer schneller und schneller.
Das nenne ich Erfolg.

"Es ist alles nur geklaut. " - Geklaut und Inspiration unterscheide ich da etwas anders. Kreativität hängt ja auch vom Kunden ab.
Für viele Kunden großer Werbeagenturen ist Kreativität etwas, das schon mal funktioniert hat. (Maxime von Procter & Gamble) Zitiert aus dem erfolgreichsten Buch von Paul Arden - auch geklaut oder nur zitiert?

Gerade Leute, die bloggen dürfen nicht über geklaute Ideen, Inhalte meckern.
Die Idee des blogs ist ja – geklaut von Wiki: (...)
Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. (...) Dennoch funktioniert bloggen ja auch über den Austausch von Inhalten, die dann diskutiert werden ... auch geklaut?

Fazit: Ich fand die SIXT-Geschichte witzig.

Gruß aus Duisburg

Maik Waidmann hat gesagt…

Gute Kritik und so soll es ja auch sein. Man darf aber ein paar Dinge nicht durcheinander werfen. Ein Blog, zumindest sehe ich meinen so positioniert, dient dem freien Meinungsaustausch und nicht dem Verkauf von Produkten. Zweitens achte ich im Vergleich zu vielen anderen Bloggern streng auf die Einhaltung von Copyrights. Ich binde z.B. ausschließlich Fotos ein zu deren Nutzung ich berechtigt bin. Außerdem behaupte ich nicht das ich den Stein der Weisen gefunden habe wenn ich andere zitiere.

Der Grad zwischen Inspiration und Ideenklau ist sehr schmal aber es ist doch interessant das bei großen Agenturen solche Dinge nicht mehr hinterfragt werden.